Stellungnahme des Intendanten

Der Intendant unseres Theaters hat bekannt gegeben, seinen bis Juni 2016 befristeten Vertrag nicht mehr zu verlängern. Medien haben darüber schon berichtet und die Problematik kurz zusammengefasst. [ORF, NÖN].
Wir veröffentlichen hier die persönliche Stellungnahme von Johannes C. Hoflehner, warum er keiner Vertragsverlängerung mehr zustimmt:

Am Donnerstag, den 8. Oktober 2015, gab es das erste und einzige Gespräch mit Frau Bürgermeisterin Baier (SPÖ) in Anwesenheit von Frau Vizebürgermeisterin Mag. Krenn und Frau Kulturstadträtin Markovic (beide Die Grünen) über die Problematik des Theater Forum Schwechat, die seit Beginn der Amtszeit der neuen Stadtregierung allen Beteiligten bekannt sein sollte.

Meine Lösungsvariante, die auch vom Land NÖ bevorzugt wird, war in erster Linie, einen zweiten Geschäftsführer zu suchen und ein Vier-Augen-Prinzip zu etablieren, was einerseits eine vernünftige künstlerische Arbeit wieder ermöglicht hätte und andererseits ohnehin Standard der Geschäftsführung sein sollte, denn ein Vier-Augen-Prinzip gewährleistet höhere Sicherheit und Kontrollierbarkeit. Diese Lösung hätte den Umfang und die Qualität des Theaterspielplans erhalten und sogar weiter steigern können und hätte zwar mehr Geld gekostet, aber das hätte die Stadtgemeinde Schwechat nicht alleine tragen müssen: Eine Finanzierungszusage vom Land NÖ besteht, und ich hätte auf einen Teil meines Einkommens durch Arbeitszeitverkürzung verzichtet, der zur Mitfinanzierung der Mehrkosten gedient hätte. Auf die Stadt wären dann also im Jahr 2016 Mehrkosten von € 17.000,00 bis € 20.000,00 gekommen, die sich in den Folgejahren durch vermehrte Koproduktionsmöglichkeiten und Sponsorenfindung auf voraussichtlich € 13.000,00 oder weniger verringert hätten. (Zum Vergleich: Das Schwechater Multiversum kostet den Schwechater Bürgerinnen und Bürgern € 25.000,00 täglich!)

Dagegen stand ein Lösungsvorschlag der Bürgermeisterin, der mir weder sinnvoll noch nachhaltig erschien. Ich kann ihn hier nicht wiedergeben, da ich nicht weiß, ob sie auch öffentlich zu ihrer Idee steht, die mit einem Argument als provisorisch widerlegt werden kann. Die Stadt könne sich jedenfalls keine Mehrkosten leisten, war ihre Grundaussage.
Das Gespräch wurde ergebnislos beendet. Die Behauptung, ich wäre aus dem Gespräch aufgestanden und hätte es verlassen, ist falsch. Richtig ist hingegen, dass ich einen weiteren Verhandlungsschritt nicht mehr abwarten wollte.

Die Zeit drängt. Mein Vertrag endet 2016 und es ist keine für mich stimmige Problembewältigung in Sichtweite. Daher ist es eine richtige Entscheidung jetzt bekannt zu geben, dass ich über Juni 2016 hinaus nicht mehr weiter zur Verfügung stehen werde (Brief vom 12. 10. 2015). Dann hat die Stadtregierung die Möglichkeit, jetzt noch in knapper, aber immer noch ausreichender Zeit nach ihrer (Spar)Lösung für das Theater zu suchen. Ich will jedenfalls keine müden Kompromisse mit Lösungsszenarien, die nach einigen Monaten höchstwahrscheinlich schon wieder passé sein könnten.

Ich respektiere, dass die Stadt Schwechat sparen und Prioritäten setzen muss. Diese müssen naturgemäß nicht dieselben sein, die ich für richtig halte. Mein Anspruch ist, dass der von mir über die Jahre aufgebaute reichhaltige Spielplan des Theaters in Quantität und Qualität erhalten bleibt und sich weiterentwickeln kann.

Frau Bgm. Baier hat nichts dazu beigetragen, das Theater ihrer Stadt zu unterstützen wie z.B. mit mir zu kämpfen, dass überregulierende Verordnungen und Gesetze auf kleine Betriebe nicht anzuwenden sind, oder hat auf irgendeine andere Weise meine Arbeit für die Stadt unterstützt. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass Teile der Schwechater Stadtregierung vor lauter Spargedanken das Theater nicht als für die Region wertvolle Einrichtung sehen können, von der die Stadt immerhin 90% besitzt.

Ich erwarte mir daher Verständnis, dass ich die Entscheidungen der Bürgermeisterin nicht mittragen will und mit Ende Juni das Theater Forum Schwechat als Geschäftsführer und Intendant verlassen werde, zu dem Zeitpunkt, an dem mein Vertrag ohnehin ausläuft.

Ich habe mich über viele wertschätzende Rückmeldungen aus dem Publikum, von den Künstlern und von den Partnern sehr gefreut, von politischer Seite kamen von den Grünen und den Oppositionsparteien positive Einschätzungen meiner Arbeit in Schwechat. Leider ändert dies nichts mehr an meiner Entscheidung. Ich bin dankbar, eine so großartige Zeit mit dem Schwechater Theater, seinen Künstlern und seinem Publikum verbracht haben zu dürfen.

Johannes C. Hoflehner, 30. 10. 2015

Links zum Thema:
Ausgangsproblematik
Zwischenberichte über die weitere Entwicklung
Bericht in den NÖN über Reaktionen
Interview in den NÖN
Offener Brief